Bereits 1757 teilt die Gemeinde von Hirschhausen dem Amt Weilburg mit, dass sie eine eigene Kirche in ihrem Ort erbauen möchte. Zwei hier ansässige Handwerker, der Maurermeister Adam Mehl sowie der Zimmermann Alexander Glockner hatten bereits eine (nicht erhaltene ) Bauzeichnung und eine Kostenübersicht gefertigt, die offenkundig eine Fachwerkkirche vorsah. Diese Planungen konnten jedoch wegen der Unruhen und Verarmung, die der Siebenjährige Krieg (1757-1763) mit sich brachte, nicht verwirklicht werden.
So verfasste die Gemeinde am 20. Februar 1761 ein weiteres Gesuch, um ihr Bauvorhaben voranzubringen. Zwei Gründe werden in dem Anschreiben genannt: Zum einen war der Weg bis zur nächsten Kirche, die in dem circa 4 Kilometer entfernten Kubach lag, sehr weit und vor allem im Winter sehr beschwerlich und hielt viele ältere oder kränkliche Leute vom Kirchgang ab. Zuma anderen musste die Hirschhausener Einwohnerschaft für die Kubacher Kirche und das dortige Pfarrhaus Unterhaltszuschüsse leisen, die dann eingespart würden. Am 20.September des gleichen Jahres erhielt der „fürstliche Lustgärtner“ Sckell den Auftrag des fürstlichen Consistoriums, „vorerst in dem Dorf einen schicklichen Platz auszusuchen, sodann eine Zeichnung von einem, nach der dermaligen stärke der Gemeinde, und mit Rücksicht auf einige künftige Vermehrung derselben einen räumlichen Kirchenbau, zu fertigen, und zugleich, (..) auf das genaueste zu berechnen“. Leider ging die Planzeichnung verloren, der erhaltene Kostenvoranschlag weist Baukosten in Höhe von 2862 Gulden 59 Kreuzer aus, wenn die Arbeiten alle an Bauhandwerker vergeben werden. Falls die Gemeinde Teile der Arbeiten und benötigten Materialien jedoch selbst beitrage, verringere sich der Kostenanschlag auf 1987nGulden 30 Kreuzer. Der Baubeginn zog sich jedoch noch etwas hin, da erst die Finanzierung des Bauers gesichert sein musste.
Da die Gemeinde klein ist und nur über äußerst geringe Mittel verfügte, musste man erst Geld ansparen, um mit den Bauarbeiten anfangen zu können. Um überhaupt an Einnahmen zu kommen, hatte die Gemeinde beschlossen, einen Teil des Feuerholzes, welches jedem Hirschhausener Haushalt als Brennholz jährlich aus dem „gemeinsamen Loos“ (zum allgemeinen Unterhalt) des Gemeindewaldes zustand, zurückzuhalten und durch Reiser und Stöcke zu ersetzen. Das nicht verbrauchte „Klafter- Holz“ wurde verkauft und der Erlös zum Kirchbau angespart. Auch die umliegenden Gemeinden versprachen Bauholzspenden und Transporthilfen. So konnte am 15. Juni 1763 endlich der Grundstein gelegt werden. Bereits einen Monat früher war eine Vereinbarung mit dem Pfarrer von Kubach, Johann Friedrich Gerst, getroffen worden, in der dieser sich bereit erklärte, für eine Jahresentgeld von 20 Achtel Getreide sowie dreißig Pfund gehechelten Flachs alle Sonn-, Bet- und Feiertage in Hirschhausen Gottesdienst zu halten( ein Achtel Weilburger Maß entsprachen 24 Liter bzw. 24 dm³). Die Endabrechnung des Kirchenbaus betrug 2753 Gulden 27 Kreuzer und 2 Albus (Weißpfennige), in dieser Summe war sogar der Anschaffungspreis der ersten Glocke von ca. 123 Gulden enthalten. Welch gewaltige Belastung der Kirchenbau für das Dorf war, ergibt sich aus einem Gesuch an Carl von Nassau (1735-1788) vom Februar 1764, in dem die Gemeinde um einen Erlass der herrschaftlichen Abgaben bzw. einen direkten finanziellen Zuschuss bittet. Der Fürst entsprach der Bitte und spendetet 550 Gulden aus seiner Privatschatulle zu dem Kirchenbau.