Die Baugeschichte der Nikolauskirche

Das stattliche Gotteshaus ist eines der ältesten des Kreises. Es liegt weithin sichtbar über dem Tal nördlich der Ortsmitte und ist umgeben von dem Friedhof mit seiner alten Bruchsteinmauer.

Die Kirche besteht aus einem spätromanischen Kernbau, der nach dem Dreißigjährigen Krieg erhöht und mit einem stattlichen Dachreiter über dem Chorquadrat versehen wurde. Eine dritte Erneuerungsphase erfolgte kurz nach 1800, als das heutige Krüppelwalmdach errichtet wurde. Umgestaltungsmaßnahmen und Renovierungen des späteren 19. Jahrhunderts sowie von 1966–68 prägen weitgehend das heutige Innere der Kirche.

Der spätromanische Bau, vermutlich des frühen 13. Jahrhunderts, war dem heiligen Nikolaus geweiht. Seine Grundform aus einem großen Langhaus mit quadratischem Chor – beides aus Bruchstein (Basalttuff) gemauert – besteht noch heute. Das Langhaus war spärlich durch ein bzw. zwei kleine Rundbogenfenster in den Seitenwänden belichtet, der Chor durch ein deutlich größeres Fenster in der Ostwand. Ein Rundbogenportal auf der Südseite diente als Haupteingang. Alle diese Öffnungen wurden bei späteren Umbauten geschlossen, sind aber an dem unverputzten Mauerwerk gut abzulesen.

Die Obershausener Kirche gehört zu den wenigen zum Großteil erhaltenen mittelalterlichen Bauten des Dekanats. Heute wirkt sie durch die barocke Überformung noch stattlicher, war aber bereits in ihrer mittelalterlichen Gestalt recht groß. Dies bestätigt ihre durch Quellen bezeugte Funktion einer selbständigen Pfarrkirche mit eigenem Priester. Die Bauherren waren entweder das Chorherrenstift St. Walpurgis in Weilburg oder die Herren von Merenberg, die zumindest im frühen 14. Jahrhundert das Patronatsrecht innehatten.

Relativ bald nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) kam es zum Umbau der romanischen Kirche. Hierbei wurden Schiff und Chor deutlich erhöht und neue, axial angeordnete, hochrechteckige Fenster eingebrochen. Auch der neue Haupteingang auf der Westseite stammt aus dieser Zeit. 1686 erhielt die Kirche zudem einen achteckigen Chordachreiter. Nach Abschluss der Umbauten erhielt das Dachtürmchen ein Kreuz, dessen bekrönender Wetterhahn stolz die Jahreszahl der Turmerrichtung sowie die Initialen IHN zeigt (das Original wurde bei der Kirchturmsanierung 2001 zum Schutz in das Innere verbracht).

Im Dachstuhl ist auf einem Balken die Inschrift eingekerbt:

H CONRAD VOS VND DIES [= Thies; Abk. von Matthias] KIRSCHBAV . HER ANNO 1686 DEN 11. IUNI D.M. I.P.R. I.P. L.W.

Die Initialen geben sehr wahrscheinlich die Namensanfänge der beteiligten Handwerker an.

Um 1800 war die Kirche wegen mangelnden Bauunterhalts wieder in einen beklagenswerten Zustand geraten. So kam es ab 1803 zu verschiedenen Reparatur- und Erneuerungsmaßnahmen. Vor allem entstand in diesem Jahr das stattliche, zeittypische Krüppelwalmdach, welches durch den Zimmermeister Riehl aus Bissenberg errichtet wurde. Die Ausbesserung des Mauerwerks besorgte der Maurermeister Johannes Schermuly aus Niedershausen (die Namen werden in einer Inschrift auf einem Balken des Dachstuhls genannt).

Die Kirche erhielt in dieser Zeit auch eine schöne doppelflügelige Holztür in klassizistischen Formen (1955 durch die heutige ausgewechselt, aber auf dem Dachboden erhalten), die Empore wurde überarbeitet und die Kirche bekam 1806 erstmals eine Orgel.

Zwischen 1966 und 1968 erfolgte die jüngste umfassende Sanierung des Kirchenbaus, die vor allem das heutige Aussehen des Inneren prägt.

Das Innere der Kirche

Der Innenraum der Kirche ist ein durch die barocke Befensterung hell belichteter, schlichter Saalraum mit hohen Deckenvouten zu den Längsseiten des Langhauses. Sie entspricht mit ihrer dreiseitigen Gemeindeempore und der Schlichtheit der wenigen Ausstattungsgegenstände den Forderungen des reformierten Gottesdienstes mit seiner Konzentration auf das Predigtwort.

Die Empore erhebt sich über einfachen, abgefasten Holzstützen und zieht sich heute entlang der drei Seiten des Langhauses. In ihrer älteren Form nahm sie nur die West- und Südseite ein; 1874 erfolgte jedoch eine nördliche Erweiterung. Die barocke Form der erneuerten Brettbaluster des Aufgangs sowie die treppenartig einspringenden Ecken der Brüstungsfelderungen zeigen, dass sie sich in ihrer Formensprache noch auf die erste Empore von 1686 bezieht, wenngleich sie später stark verändert und überarbeitet wurde.

Während der Renovierung der Kirche in den Jahren 1966–68 erhielt sie eine neue Farbfassung in Blau und Gelb – den Farben Nassaus. Zu jener Zeit wurde auch der heutige Chorbogen eingebaut und der Kirchenboden mit einem neuen Plattenbelag aus glänzendem Lahnmarmor versehen.

Altar

Der Blockaltar aus schwarzem Schupbacher Marmor zeigt die vergoldete Inschrift:

„Offenb. Joh. 19,9: Selig sind die zum Abendmahl des Lammes berufen sind!“

Er wurde 1859 für 100 Gulden von der Kirchengemeinde angeschafft und ersetzte den vorherigen hölzernen Altartisch. Hergestellt wurde er in der Marmorfabrik des Zuchthauses von Diez.

In der Kirche befand sich über mehrere Jahrhunderte hinweg ein mittelalterliches Taufbecken aus Grünstein. Es handelte sich – wie in jener Zeit üblich – um ein stattliches rundes Becken, vergleichbar mit dem erhaltenen Beispiel in der evangelischen Kirche von Essershausen. Als im 19. Jahrhundert der Brauch aufkam, die Täuflinge am Altar zu taufen, wurde der alte Taufstein vor der Kirche aufgestellt, ging dann aber aus Achtlosigkeit in den sechziger Jahren verloren.

Im Jahr 1968 wurde dann ein neuer Taufstein durch die Kirchengemeinde angeschafft, der in seiner schlichten, modernen Form und durch die Wahl des gleichen Marmors ausgezeichnet mit dem Altar harmoniert.

Kanzel

Die Kanzel besteht aus einem polygonalen Kanzelkorb mit schmalen, hochrechteckigen Felderungen, der sich über einem hohen Säulenpostament erhebt.

Chor

Der Chorbereich ist ein schlichter Raumkubus mit gerader Decke. Bei einer restauratorischen Untersuchung in den sechziger Jahren stellte sich heraus, dass seine Wände einen aufgemalten Dekor aus Weinranken zeigten, der entweder aus dem späteren Mittelalter oder der frühen Neuzeit stammte. Man entschied sich jedoch, ihn nicht freizulegen.

Ursprünglich zog sich quer durch den Chorraum die 1873 eingebaute Orgelempore, vor der sich die Kanzel auf ihrem hohen Unterbau und mit einer steilen Treppe erhob. Seitlich verliefen an den Wänden noch Bänke für die Kirchenältesten und den Pfarrer. So war der Altarraum dicht möbliert und bot wenig freien Bewegungsraum. Um ihn zu entlasten, wurde die Kanzel wieder seitlich am Chorbogen aufgestellt, die Bänke entfernt, die Empore abgerissen, dagegen die Orgel – nur durch eine größere Stufe erhöht – hinter dem Altar aufgestellt. Auch wurde das alte Ostfenster vermauert und durch zwei Fenster in den Seitenwänden ersetzt.

Die Orgel

Die erste Orgel der Kirche wurde 1806 angeschafft und – wie üblich – vom Dorfschulmeister gespielt. Eine Nachfolgerin, die sich auch heute noch im Gebrauch befindet, wurde bereits 1874 für 572 Taler gekauft, wobei man noch 25 Taler für die alte Orgel erstattet bekam. Sie stammt aus der Orgelbauwerkstatt Heinrich Voigt in Igstadt bei Wiesbaden.

Die einmanualige Schleifladen-Orgel besitzt acht Register mit folgender Disposition:

Prinzipal 8', Gedackt 8', Gambe 8', Oktave 4', Flöte 4', Subbass 16', Violinbass 8'.

Ihr dreiteiliges, weiß-gold gefasstes Prospekt erhebt sich über einem gefelderten Unterbau. Es zeigt zwei seitliche niedrigere Rundbögen, die von einem höheren mittleren Bogenfeld überragt werden. Die Bögen werden durch Pilaster mit vergoldeten korinthischen Kapitellen flankiert. Bekrönt wird das gesamte Orgelgehäuse durch einen hübschen Blattfries.