Unterhalb der Orgelempore rechts des Altares ist im Bodenbelag der Zugang zu der gewölbten Grabgruft des Ehepaares Thamerus eingelassen. Direkt an der Wand dahinter erhebt sich ein prächtiger barocker Grabstein aus schwarzem Marmor mit hellen Äderungen, der ihrem Gedenken gewidmet ist. Als Amtmann war Johann Kaspar Thamerus Repräsentant des Weilburger Grafen und dessen Verwalter. Die Tatsache der Bestattung innerhalb der Kirche sowie die Größe und Qualität des Grabsteins ist direkter Ausdruck des Reichtums und der hohen gesellschaftlichen Stellung des Paares.
Im unteren Teil der Platte stehen die durch Rundbogen gerahmten Lebensläufe der beiden Verstorbenen in lateinischer Sprache. Darüber erheben sich ihre reliefierten Familienwappen, die von Palmwedeln gerahmt und von einer Krone überhöht sind. Der obere Abschluss ist geschweift und mit einem Kugelaufsatz versehen.
Die Inschrift der rechten Seite lautet übersetzt:
„Hier an der Seite ruht das was sterblich war, von der am Tage vor den Iden des Oktober 1688 [14.10.] geborenen Susanne Dorothea Thamerus aus dem Geschlecht der Weinrich. Ihr Vater war der unermüdliche Pfarrer in Weilburg, ihre Mutte r aus der auserlesenen Familie Tonsor [Scherer]. 1710 verheiratete sie sich mit dem vortrefflichen Nassau-Saarbrückischen Amtmann Johann Caspar Thamerus. Von ihm Mutter von acht Kindern überlebten sie drei Söhne und eine Tochter. Ihren Haushalt leitete sie sorgfältig, ihren Gatten umsorgte sie liebevoll, die Kinder pflegte sie mit besonderer Liebe. Gott gefiel sie durch Rechtschaffenheit, allen Menschen durch ihre Aufrichtigkeit. Etliche Jahre vom Durst verbrannt und von einem bösartigen Fieber verzehrt, wurde sie endlich zu den Quellen des unbefleckten Lammes versetzt, sie hörte auf zu dürsten für immer. Am 7. der Iden des August im Jahre 1731 starb sie und erwartet hier an ihrer Seite den gelieben Mann. - Meine Seele hat Frieden –
Die linke Inschrift lautet:
Nach 4 Jahren 3 Monaten kommt auch er, der diesen Zeitraum als Witwer zubrachte, zu seiner Gattin. Johann Caspar Thamerus, welcher zu Stolberg am 7. Tage vor den Iden des Dezember 1674, nach dem Julianischen Kalender gerechnet, geboren war. Sein Vater war im evang. Kirchendienst und später Superintendent in Hildburg seine Mutter Adelheid Seher. Während er sich literarischen Studien widmete, befiel ihn eine äußerst erbitterte Krankheit, die er nach langem Siechtum doch endlich mit solch glücklicher Geisteskraft überwand, dass er im Inner- später im Kriegsdienst mit Auszeichnung unter dem erlauchten Grafen Johann Ernst von Nassau tätig war. Darauf wurde er hier an diesem Orte im Zivildienst verwandt und vielseitig erprobt zu der Würde eines Amtmannes befördert, von dessen Bürde er befreit wurde, als er gottergeben am 9. November 1735 seine Seele aushauchte. Sein hinterlassener Sohn, mit seinem Amte betraut, ließ mit den beiden Brüdern und ihrer Schwester dieses Grabdenkmal den lieben Eltern errichten. Gehe weiter, Wanderer, und bedenke gehörig dein Ende.